Geschrieben von: Günther Kasseckert
Burn out – no Chance
Life is what happens to you while you make other plans.
John Lennon
Die Arbeitstage, bleischwere Aneinanderreihungen von Unerträglichkeiten. Das Betriebsklima im ständigen Wechsel zwischen extremen Hitze- und Kälteperioden. Zwischenmenschlicher Austausch im Amputationsstadium. Unüberschaubare Berge von Arbeit, gleichzeitig das Gefühl dem Ganzen nicht mehr gewachsen zu sein, hilflos und verlassen zu sein. Das eigene Leben versinkt immer mehr im Sumpf der Sinnlosigkeit.
Ein schlimmer Feind hat sich eingenistet - die Erschöpfungsdepression, das Burn out Syndrom. Dabei hat alles so vielversprechend begonnen. Voller Elan und Idealismus treten viele Betroffene in das Berufsleben. Sie sind überaus ehrgeizig und produzieren viele neue Ideen. Es sind Menschen, die bereit sind, sich mit der Kraft ihrer Gesamtpersönlichkeit einem Auftrag oder einer Vision hin zu geben. Meist schleichend geht die Schere zwischen Aktivität und Ruhephasen immer weiter auseinander. Soziale Beziehungen werden vernachlässigt.
Das Familienleben wird immer mehr zur Plicht und irgendwann sogar eine lästige Begleiterscheinung des Lebens. Hobbies fallen weg. Die Energien kanalisieren sich nur noch in eine Richtung: Der Leistungs- und Erfolgsauftrag muss um jeden Preis erfüllt werden! Mit gnadenloser Präzision stößt der Mensch an seine Grenzen. Es ist wie eine Rutschbahn direkt in die Hölle, in die Hölle des Burn outs.
Es gibt Auswege:
Der wichtigste Ansatz - im Vorfeld der Schwierigste - die Selbsterkenntnis, und damit verbunden die Akzeptanz in der Tat vom burn out betroffen zu sein. Widerstände wie Verdrängung („Das ist nur eine körperliche Erscheinung, da helfen am besten Medikamente!“), Bagatellisierung („Eigentlich geht es mir ja noch immer gut, andere sind schlimmer dran!“) und Projektion („Schuld an meiner Misere sind Andere!“) sollten im Prozess der Akzeptanz erkannt und angegangen werden.
Wenn das mit den eigenen Mitteln nicht mehr möglich ist, können in diesem Stadium ambulant therapeutische Maßnahmen gute Dienste bei der Aufarbeitung leisten. Das übergeordnete heilende Leitkonzept ist: „Gleichgewicht schaffen zwischen Aktivität und Ruhe“. Die beiden Pole des vegetativen Nervensystems - der Sympathikus und Parasympathikus müssen wieder ausgleichend und harmonisch aufeinander abgestimmt werden.
- Ausreichende körperliche Bewegung ist hier obligatorisch.
- Sportliche Aktivitäten ohne Leistungsdruck mit hohem Spaßfaktor.
- Die Umstellung selbstschädigender Ernährungsgewohnheiten fällt ebenfalls ins Gewicht. Hierbei sollten gesunde Nahrungsmittel in streßreduzierenden Eßritualen genossen werden.
- Psychische Faktoren sind von zentraler Bedeutung. Übertriebener Leistungs- und Erfolgsdruck sollte abgebaut werden.
- Fehlertoleranz bei gleichzeitiger Wertschätzung der eigenen Person ist hier von besonderer Bedeutung („Ich bin ein guter und wertvoller Mensch unabhängig von meinen Leistungen und Erfolgen)!“
Burn Out Patienten verlangen von sich immer mehr und immer perfektere Leistungen ab, bei gleichzeitiger dramatischer Reduzierung der Erfolgserlebnisse. Eine sinnvolle Überarbeitung des sozialen Netzwerkes ist ein weiterer Baustein im Genesungsprozeß. Vernachlässigte Beziehungen reaktivieren, neue soziale Bindungen aufbauen und ganz entscheidend: das Familienleben sollte wieder zur vollen Blüte kommen.Schließlich gibt es auch am Arbeitsplatz Möglichkeiten zur Intervention, z. B. durch den Aufbau menschlich kompetenter Teams. Mobbing, innerer Kündigung oder Entfremdung sollte das Wasser abgegraben werden.








