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HumanTouchMagazin 2011|01

Geschrieben von: Götz Schultheiß

Körperarbeit, mehr als nur Arbeit am Körper

Liebe LeserInnen,
immer wieder kann man in der Zeitung lesen, dass ca. 70 - 80% der Menschen in den westlichen Industrieländern unter Rückenbeschwerden leiden - Tendenz steigend!

Wenn ich die letzten Jahre meiner Praxis Revue passieren lasse, so habe ich das Gefühl, dass Rückenbeschwerden bei sehr vielen Menschen ab einem gewissen Alter eine Rolle spielen. Aber auch junge Menschen suchen häufig meine Praxis mit Beschwerden des Bewegungsapparates auf. Und dies wird tatsächlich mehr. Daher werde ich in den nächsten Ausgaben dieses Magazins über die Gründe und mögliche Vorgehensweisen zur Abhilfe dieser Beschwerden schreiben.

Natürlich gibt es sehr viele Gründe, warum Menschen akute oder auch chronische Beschwerden in Ihrem Bewegungsapparat entwickeln. Im akuten Bereich können es zum Beispiel Fehlbelastungen, Verletzungen, Auswirkungen physikalischer Einwirkungen (Kälte) usw. sein. Im Fall schon lange anhaltender, chronischer Beschwerden sind ebenfalls lang andauernde Fehlbelastungen, nicht ausgeheilte Verletzungen, organische nicht kompensierte Beschwerden und natürlich an vorderster Front belastende Gemütssituationen Gründe für die Beschwerden. Ich bin der Ansicht, dass ich einem Menschen mit seinen Beschwerden nicht wirklich helfen kann, wenn ich nicht verstanden habe was die Ursache der Störung ist. Daher richte ich mein Augenmerk bei einem ersten Kontakt mit dem Patienten auf genau diese Frage. Hier ist an allererster Stelle natürlich das Gespräch wichtig. Der Patient muss die Möglichkeit bekommen, in seinen Worten zu schildern, seit wann und wodurch die Beschwerden entstanden sind. Manchmal weiß der Patient schon selbst, unter welchen Umständen die Beschwerden sich eingestellt haben. Immer wieder aber scheint es keinen Hinweis auf die Ursache der Erkrankung zu geben. In diesem Fall ist es sinnvoll, zunächst auf der körperlichen Ebene weiter zu untersuchen. Ich lasse den Patienten vor mir stehen und gehen um vielleicht so einen Hinweis auf die Störung des Bewegungsapparates zu bekommen. Unter Umständen ist hier auch der Einsatz von Fotos und Videoaufnahmen sinnvoll.

Hier kann ich dann auch oft erkennen, wie der Körper des Betroffenen sich in Folge der Störung  neu orientiert hat, um einigermaßen die Balance zu halten.  Läuft der Patient gerade und synchron? Schiebt er eine Schulter beim Gehen weiter vor? Zieht er ein Bein hinter sich her? Die meisten Menschen sind sich ihrer  Fehlhaltungen gar nicht bewusst und erschrecken richtiggehend, wenn ich ihnen die Bilder und kurzen Filme zeige.

Meistens ergibt sich nach Abschluss der ersten Untersuchungseinheit ein schlüssiges Bild über die Ursachen der Beschwerden. Sollte dies nicht der Fall sein, beginnt man trotzdem mit der Therapie. Durch die Arbeit auf der körperlichen Ebene gewinnt der Patient in der Regel mehr Zugriff auf seine Beschwerden und lernt diese besser zu verstehen.

Wie wichtig der psychosomatische Ansatz der Körperarbeit sein kann zeigt auch folgender Satz meines Lehrers Martin Busch: „Unser Körper ist unser fleischgewordenes Tagebuch“. Diese wichtige Aussage macht deutlich, dass nicht nur rein körperliche Beschwerden über die Arbeit am Körper positiv beeinflusst werden können, sondern auch die im Gewebe gespeicherte seelische Verletzung durchaus ihre Befreiung finden kann.

In den nächsten Ausgaben werden ich Ihnen verschiedene Therapieansätze und Beispiele vorstellen, die Ihnen einen Einblick in die Vorgehensweise der jeweiligen Körperarbeit geben.