Geschrieben von: Wilfried Pfeffer
Tibetische Heilkunde: Gesund Sein – durch bewusst Sein
Die Tibetische Heilkunst ist eines der ältesten Medizinsysteme der Welt. Sie stellt ein umfassendes und komplexes System naturheilkundlicher Diagnose- und Therapiemethoden dar.
Ihre Königsdiziplin ist die Pulsdiagnose. Ähnlich der indischen Ayurveda Medizin sowie der Chinesischen Medizin ist bei den Tibetern die Pulsdiagnose jedoch viel differenzierter. Über 50 verschiedene Pulskriterien können unter der Fingerkuppe für die Diagnose wahrgenommen werden. Es können somit alle inneren Organ- und Geistesfunktionen bezüglich ihrer Balance bzw. Disbalance erfasst werden. Diese Heilkunst wird schon seit über 3.000 Jahren in allen Himalayaregionen praktiziert. Im 8. und 9. Jht. n. Chr. gab es große Medizinkongresse in Lahsa, wozu die damaligen Könige Tibets, Heiler aus ganz Zentralasien (Mongolei, Sibirien), Südostasiens (China, Indonesien, Indien) und des Orients (Persien, Arabien) einluden. Sogar Ärzte aus Griechenland reisten damals nach Tibet und nahmen am monatelangen Erfahrungsaustausch teil. Heute im Jahr 2011 könnte die tibetische Medizin einen großen Beitrag zur westlichen Schulmedizin leisten.
Wie heilt die Tibetische Medizin?
Die Tibetische Medizin beschäftigt sich immer mit dem ganzen Menschen. Nach östlicher Anschauung existiert der Mensch auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Jenseits des materiellen, physischen Körpers gibt es noch mehrere feinstoffliche, unsichtbare Energiekörper, die auch nach dem physischen Tod weiter existieren. Wir nennen dies Seele oder Geist. Während die westliche Sichtweise darauf besteht, dass die materiellen Wirkungsfaktoren (chemische Sustanzen) die stärksten Kräfte in unserem Leben sind, betont die Tibetische Medizin, dass das Bewusstsein und die persönliche Willenskraft (Geist) die stärkste Kraft im Leben ist. In der tibetischen Kultur richtet sich der Blick mehr nach innen. Die introperspektive der tibetischen Sichtweise, könnte eine sinnvolle Ergänzung für die Schulmedizin sein. Als ganzheitliche Medizin strebt die Tibetische Medizin das innere Gleichgewicht der physiologischen Kräfte von Körper und Psyche, sowie Willenskraft an. Denn diese verschiedenen Teilpersönlichkeiten in uns und deren Interaktionen machen unsere Wesenheit aus und sind lediglich unterschiedliche Ausdrucksformen der selben Energieprinzipien, nämlich der Fünf Elemente: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum/Äther.
Die Fünf Elemente
Diese Wissenschaft der Fünf Elemente ist ein Denksystem, das aus Analogien besteht. Man darf sie sich nicht nur als sichtbare Naturphänomene (Wasser, Erde...) oder als die Aggregatzustände fest, flüssig, gasförmig vorstellen. Sie sind vielmehr die energetischen Impulse für alle physikalischen, chemischen, biologischen und geistig-seelischen Prozesse in uns und außerhalb von uns. Wenn der Tibeter vom Element Erde und Wasser spricht, so denkt er dabei nicht an eine Hand voll feuchter Blumenerde. Es geht vielmehr darum, sich in den feuchtwarmen fruchtbaren und nährenden Humus einzufühlen, in dem der Same keimen kann, oder in den Uterus, in dem der Fötus sich entwickeln, oder in den Magen, die Leber, und andere Organe, sowie das Zellplasma, in denen die Nahrungsmittel und Getränke umgewandelt und zu nährender Energie werden.
Genauso verhält es sich mit all den weiteren Elementen. Die Wirkungsweise der Fünf Elemente ist nicht trennend oder ausschließend, sondern immer ganzheitlich integrativ. In jedem Elementprinzip wirken auch die anderen Elemente immer mit. Man spricht von der gegenseitigen Wechselwirkung aller Phänomene im Körper, der Psyche und dem Unterbewusstsein (Geist). Deshalb gibt es in der Tibetischen Medizin keinen Facharzt nur für einen Organbereich oder nur die Psyche. Jedes körperliche Organ, jede Emotion und Stimmung, jedes gesprochene oder gehörte Wort, der Gedanke und jede Motivation befinden sich zu jeder Sekunde in wechselseitigem Austausch und gegenseitiger Beeinflussung – vom Kopf bis zu den Fußsohlen. Diese Ebenen gehören alle zu unserer Persönlichkeit und sprechen dieselbe energetische „Sprache“, die Sprache der Fünf Elemente. Und in Wirklichkeit gibt es auch keine völlige Trennung zwischen Innen und Außen. Die Tibeter sprechen schon seit Jahrtausenden vom mentalen Internet der Fünf Elemente.
Der Mensch als Mikrokosmos
Wie der Makrokosmos setzt sich auch der menschliche Mikrokosmos aus den Fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft(Holz) und Raum/Äther (Metall) zusammen. Diese fünf kosmischen Grundenergien erschaffen in ihren spezifischen Kombinationsmöglichkeiten alle Erscheinungen der Materie (Moleküle), der Elektrizität und Lichtqualitäten - also Körper, Psyche und Bewusstsein. Die Elemente gestalten die drei Impulsenergien: LUNG (Wind/Luftelement) TRIPA (Feuerelement) PÄKEN (Erde+Wasserelement). Die Impulslehre ist dem Indischen Ayurveda identisch. Lung verbindet das Bewusstsein mit dem Körper. Seine psychologische Wirkung entspricht der energetischen Vernetzung des Nerven-, Hormon und Immunsystems mit der Psyche.
Die neue westliche Forschungsdisziplin heißt Neuroimmunpsychologie. Tripa reguliert die katalytischen Stoffwechselvorgänge - einschließlich der in der tibetischen Medizin sehr wichtigen Verdauungspsychologie, die sogenannte Verdauungshitze, sowie den Temperaturhaushalt. Päken reguliert den Haushalt aller Körperflüssigkeiten. Ein Ungleichgewicht der drei Energieprinzipien führt zu Krankheit. Gesundheit ist also das ständige Ausbalanciert sein in den drei Impulsenergien Lung, Tripa, Päken.
Der Beginn zur Disbalance beginnt immer in der Bewußtseinshaltung, also der geistigen Disposition von guter oder schlechter Laune, interessiert oder gelangweilt, gestresst oder zufrieden/ ausgeglichen zu sein. Disbalance wird weiterhin verstärkt durch ungünstige Nahrungsmittel und jahreszeitliche/ klimatische Einflüsse. Alle Störungen der drei Impulsenergien werden zuerst in den Kategorien kalt und heiß (= Yin/ Yang) betrachtet. Krankheiten durch ein Ungleichgewicht von Lung und Päken werden kalt und sind meist Ursachen aller chronischen Krankheiten wie Diabetes, Tumore, Übergewicht, Gefäßerkrankungen, Depressionen etc. - Tripa-Krankheiten sind immer heisser Natur und oft bei akuten Erkrankun-gen wie z.B. Infek-tionen, Allergien, Bluthochdruck, Psychosen und Unfällen die Ursache. Von grosser Bedeutung sind auch alle Emotionen, welche unsere Mitmenschen in Form von ihren eigenen Stimmungen und Launen, sowie konkreter Gefühle, wie Neid, Hass, Abwertung aber auch im positiven Sinne wie Lob, Aufmunterung, Freude und Mitgefühl uns entgegenbringen. Unser Bewusstsein verwertet all diese Impulse als energetische Qualitäten der fünf Elemente. So erzeugt z.B. Hass mehr Tripafeuer und Langeweile vermehrt kalten Päkenschleim im Körper. Eifersucht erhöht den kalten Wind und Sturheit verhärtet das Erdelement, z.B. bei Gelenkproblemen. Intoleranz vermindert u.a. das Raum-Element.
Pulsdiagnostik ist effizient und instrumentenfrei. Die Diagnosestellung des tibetischen Arztes beruht fast ausschließlich auf der Pulsdiagnose. Es gibt spezielle Pulse für Epilepsie, Phobien, alte unverarbeitete Traumata, Vergiftungen und Tumore etc. Akute und chronische Krankheiten können ebenso unterschieden werden. Weiterhin wird die Urindiagnose, Zungendiagnose und Physionomie herangezogen. Die tiefgründige Sichtweise diagnostiziert den ganzen Menschen und nicht nur die Krankheit.
Therapie:
Nach der klassischen tibetischen Tradition sollten nach der Diagnose zuerst Korrekturen bei den ungünstigen, individuellen Ernährungs- und Verhaltensgewohnheiten stattfinden. Desweiteren die Verschreibung von Pulvern, Kräuterpillen oder Tees aus Himalayakräutern. Körper und Bewusstsein durchdringen sich mit einer natürlichen Tendenz zur Balance, vorausgesezt, der Geist bringt sich in einen zufriedenen und entspannten Zustand, der wiederum Verändrungsprozesse und Gesundung fördert.








