Geschrieben von: Harald Eichhorst
Mayakalender
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
was hat eigentlich ein listiger älterer Herr mit Sichel und ein blond gelockter Jüngling mit Waage mit Ihrem Leben zu tun? Nichts! – werden Sie sagen – es ist in Ihrem Leben zwar schon vieles vorgekommen aber so etwas noch nicht – oder vielleicht doch?
Chronos, ein alternder Mann mit über das Hinterhaupt gezogenem Gewand und Kairos, ein blondgelockter Jüngling mit Flügeln könnten gegensätzlicher nicht sein. Dennoch sind sie zwei griechische Götter, die in der griechischen Mythologie die vornehme Aufgabe haben, die Zeit zu repräsentieren. Sehr verwunderlich eigentlich – warum denn gleich zwei Götter? Würde nicht einer genügen?
Ganz einfach: beide Götter repräsentieren zwei unterschiedliche Aspekte der gleichen Zeit – einmal die reine serielle, nüchterne, emotionslose und mechanische Abfolge der Zeit und das andere Mal die gefühlte Zeit, die Zeit, der wir eine aktive Bedeutung geben, Zeit, die wir erleben und interpretieren, die zu uns spricht durch Symbole, günstige Augenblicke und Chancen.
Sehr theoretisch? Ganz gewiss nicht: vergleichen Sie einmal eine Stunde Arbeit am Computer mit einer Stunde Zeit in der Natur oder mit Freunden: während die eine Stunde, kaum begonnen schon zerronnen, kann sich die andere Stunde zu einem großen, erfüllenden Erlebnisraum dehnen, obwohl es sich im objektiv gleichen Zeitmaß abspielt.
Während Chronos nötig ist, um in einer Gesellschaft das Zusammenleben der Menschen zu organisieren, ist unser Kairos erforderlich, um der Zeit einen individuellen Sinn zu geben. Ohne Kairos hätte unser Leben keinen Sinn, ohne Chronos kein Format. Unseren Sichelträger mit Stundenglas finden wir überall,in Uhren, Jahreskalendern, Fahrplänen, Projektterminen, doch - wo ist unser Jüngling?
Begeben wir uns auf die Suche nach ihm.
Doch wo können wir ihn finden? In unserem aktuellen gregorianischen Kalender jedenfalls nicht. Dieser führt uns linear und zweckmäßig durch die Zeit. Er teilt das Jahr willkürlich und unnatürlich in 12 Monate mit unregelmäßigen Monatstagen - 31, 28/29, 31, 30, 31, 31.
Um es gleich zu verraten: unser Jüngling versteckt sich in einem Aspekt des Mayakalenders. Der Mayakalender (genauer gesagt, der Teil, den man Tzolkin nennt) teilt das Jahr in 13 harmonische und regelmäßige Monate zu 28 Tagen auf und gibt einen Tag „außerhalb der Zeit“ am Ende eines Jahres dazu. (13 x 28 + 1 = 365 Tage). Die Erde wird in diesem Kalender als Mond der Sonne betrachtet.
Doch – was haben wir nun von dieser 13er / 28er-Rhythmik? Der Maya-Kalender begreift uns Menschen als Teilnehmer von übergeordneten natürlichen und kosmischen Rhythmen.
Er lehrt,
- dass Sie höhere Rhythmen bewusst für Ihre eigene Entwicklung nützen können,
- dass Sie schon immer einer eigenen individuellen Rhythmik gefolgt sind,
- dass Sie die Geschehnisse in Ihrem Leben aufmerksam registrieren und dahinter die Sinnzusammenhänge verstehen sollten,
- dass Sie sich selbst die Themen ins Leben holen – unbewusst, aber nicht weniger absichtlich,
- dass Sie bestimmen können, wohin die Reise geht und auf welchem Niveau sie sich abspielt,
- dass Sie in einem individuellen Jahr immer wieder bewusste Korrekturen vornehmen können.
Wie „sieht“ nun der Mayakalender den Jahreszyklus eines Menschen, beginnend ab seinem Geburtstag?
Grundsätzlich so: in den ersten 4 Monaten zeigen sich die persönlichen Jahresthemen, in den zweiten 4 Monaten müssen diese vom Einzelnen aktiv gestaltet werden und in den letzten 5 Monaten zeigen sich allmählich die erarbeiteten Lösungen als eine Art Quintessenz.
Betrachten wir die Dinge einmal in einem groben Überblick.
Im ersten Monat zieht man wie ein Magnet die Themen in sein Leben. Nun sollte man diese Themen ohne zu bewerten und zu entscheiden zur Kenntnis nehmen. Musikalisch gesprochen ist dies die Phase der Exposition, ein Aufzeigen der Melodien und Themen.
Im zweiten Monat zeigen sich die angezogenen Themen genauer und auch, auf welcher Ebene durchgespielt wird.
Im dritten Monat beginne man, die aufgezeigten Themen, die persönliche Gestaltungskraft aktiv einzusetzen. Die für die jeweiligen Themenbereiche zugehörigen Personen treten in Erscheinung. Die persönlichen Reaktionen sollten sich schon hier am Positiven ausrichten.
Im vierten Monat werden die Themen klar, deutlich und beständig. Quasi wie ein Bildhauer zeigt sich das Rohmaterial vor den eigenen Augen.
Ärmel hochkrempeln und das Handeln üben steht im fünften Monat an. Wie eine Lokomotive setzen sich die Themen in Bewegung und konkretisieren sich. Musikalisch gesprochen werden die Themen kontrastiert und durchgeführt.
Der sechste Monat zeigt, welche Themen nicht mehr in Balance sind und entspannt und gleicht Dissonanzen aus, die sich im Verlauf des ersten halben Jahres gebildet haben.
Der siebte Monat kann mit einem Kreisverkehr verglichen werden, der mehrere Ausfahrten hat. Man ist aufgefordert, mit Bewusstheit und einer guten ethischen Grundhaltung die richtigen Ausfahrten zu wählen.
Im achten Monat kann das innewohnende Entwicklungspotenzial seinen höchstmöglichen Durchbruch erzielen. Hinter schwierigen persönlichen Zeiten sollte man zu erkennen versuchen, welchem tieferen Prozess diese Entwicklung dient.
Der neunte Monat stellt eine Entscheidungszone dar, dessen Grundstimmung für richtige Einsichten und inspirative Entscheidungen dienen kann.
Im zehnten Monat zeigen sich plakativ erste Ergebnisse in der Bearbeitung der Jahresthemen. Es gibt hier eine erste Rückmeldung, wie die Qualität und der Umgang mit den Herausforderungen des Jahres bisher gewesen ist.
Der elfte Monat enthält durch seine auflösende Grundtemperatur eine ambivalente Dynamik. Ist das zu erwartende Jahresergebnis zufriedenstellend, wird der bestehende Spannungsdruck im Jahr in diesem Thema nachlassen. Ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend, erzwingen die Umstände schmerzlich, Nachbesserung vorzunehmen.
Im zwölften Monat präsentieren sich die Jahresergebnisse in klarer und reiner Form in der eigenen Lebenswirklichkeit. Der Bildhauer hat seine Statue zu Ende bearbeitet. War die eigene Schöpfung gut und ohne Tadel?
Im dreizehnten Monat werden die Essenz und die geistigen Erkenntnisse aus dem ganzen Jahresprozess gewonnen. Zeit der ehrlichen Reflektion und kritischen Betrachtung. Dieser Monat bildet die Startkraft für die entsprechenden Themen im nächsten Zyklus.
Der dreizehnte Monat stellt darüber hinaus die Ergebnisse zusätzlich in das kollektive Unbewusste ein. Deshalb ist ein Ringen um persönliche Lösungen auch über das persönliche Umfeld hinaus als kollektiver Beitrag bedeutend.








