Geschrieben von: Harald Eichhorst
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Ich sehne mich so nach dir aber komm mir nicht zu nah
Der verlorene Zwilling im Mutterleib - Auswirkungen im späteren Leben (Teil 2)
Manchmal möchten Teilnehmer an einer Familienaufstellung die tieferen Gründe herausfinden, warum sie im Verlaufe ihres Lebens beruflich erfolglos geblieben sind obwohl große Kompetenz vorliegt, warum sie sich nach Nähe sehnen, diese sich aber nie erfüllend ergeben hat, sie sich unvollständig fühlen, obwohl sie alles haben, sie lieber eine schmerzliche Beziehung ertragen anstatt sich zu befreien.Bei manchen dieser Teilnehmer zeigt sich ein verblüffendes und unerwartetes Bild in einer Aufstellung. Stellt man zum Aufsteller einen Stellvertreter für die Ursache dieser Gefühle hinzu, passiert es manchmal, dass es er-scheint, als würden sich hier zwei wiederfin-den, die sich unendlich lange vermisst haben. Das Seelenbild zeigt sich so, als würden sich hier zwei lang verlorene Geschwister wieder-finden. Dieses Widerfinden wird als sehr be-freiend aber auch schmerzlich erlebt – als ein tiefes Zuhause ankommen. Jedoch - in Wirk-lichkeit ist in der Familie kein Bruder und kei-ne Schwester verloren gegangen. Das hat zur Fragestellung geführt, wo denn dieses Ge-schwister verloren gegangen sein könnte. Man entdeckte in der pränatalen Phase in den ersten Wochen tatsächlich Zwillingsschwangerschaften, von denen sich ein Fötus nicht mehr weiterentwickelt und stirbt.
Vielleicht liegen hier die tieferen Gründe für die beschriebenen Symptome?
Teilnehmer, bei denen sich dieses Seelenbild in der Aufstellung zeigt, berichten auch oft, dass sie sich oft im Leben so fühlen, als würde ihnen ein Teil fehlen. Sie erleben eine riesengroße Sehnsucht in sich. Diese Sehnsucht zieht sie in die andere Welt. Sie sprechen von starken, unbewussten Schuldgefühlen und trauen sich nicht, ihren rechtmäßigen Platz im Leben einzunehmen. Sie suchen symbiotische Beziehungen auf, aber gleichzeitig ruft diese Nähe sofort den Schmerz, Ängste und Panik am früh erlebten Verlust wach und die eigene Nähe oder die des Partners wird sofort unterbunden. Es ist das Prinzip der doppelten Botschaft - „ich sehne mich so nach dir aber komm mir nicht zu nahe". Viele weitere Symptome könnten hier beschrieben werden.
Dennoch – der verlorene Zwilling bleibt im Bereich der Vermutung. Wir wissen nicht mehr, was manchmal vor 30, 40 oder 50 Jahren in der pränatalen Phase wirklich passiert ist. Die Mütter haben oft keine Erinnerung mehr daran, ob etwas Außergewöhnliches geschah. Es gibt keine Ultraschallbilder. Auch zeigt ein kinesiolo-gischer Muskeltest nicht immer das entsprechende Ergebnis an.
Jedoch zeigt sich, dass besonders die Entdeckung des verlorenen Zwillings eine sehr starke integrative Wirkung hat. Oft geht es dann im Leben ganz anders weiter. In der Seele beginnt etwas in Frieden zu kommen, man kann liebevoller auf sich selbst schauen, mehr ankommen und seinen im Leben Platz einnehmen.





