Geschrieben von: Stefan Gauss
Was ist Zeit? – Kurz abgeschweift
Spätestens an Sylvester stellt man fest, dass wieder ein Jahr um ist. Seltsamerweise hatte ich das bis dato überhaupt nicht wahrgenommen. Sie etwa? Gucken wir doch mal genauer hin. Am liebsten strebe ich dem Wochenende entgegen und rufe freitags lauthals: „GsDF! (Gott-sei-Dank-Freitag!)" Aber was bedeutet das denn genau? – Dass wieder eine Woche vergangen ist. Ratzfatz ist dann auch das Wochenende rum, wo die Zeit eh schneller vergeht als unter der Woche und nach und nach läppert sich das zu einem Jahr. Ganz normal und trotzdem wundert mich das immer wieder.
Ich freu mich dann gerne aufs Frühjahr, später auf den Sommer, ärgere mich über das Schmuddelwetter im Herbst und schon ist wieder Winterdienst. Im Winterdienst wird bei uns verstärkt geschichtet. Nicht unbedingt Dinge übereinander, sondern mehr Arbeiter hintereinander. Manchmal auch voreinander. Je nach Wettersituation. Schichten bedeutet, dass es, egal wann du zur Arbeit gehst oder aus der Arbeit kommst, dunkel ist, die Kinder schon wieder oder immer noch in den Betten sind. Um das besser zu verstehen: Schichten ist die Zeit, wenn andere schlafen und im Dunkeln. Für mich als Sonnenmensch und Helligkeitsfanatiker eher ein Unding, aber scheinbar notwendig. Ich freue mich unbändig dann wieder auf den Frühling und natürlich auf den Sommer. In dieser Zeit ist alles hell und sehr viel freundlicher. Aber, oft auch sehr viel schneller vorbei, weil da Urlaub ist... Geht es Ihnen auch so? Und denk mal an, dann ist das halbe Jahr schon wieder vorbei.
Die Schwaben hierzulande haben vor allem beim Warten so gar keine Zeit: „Wart mal g´schwind!" heißt es da und jedes Mal steh ich ratlos da und denke mir: „Wie bitte soll das gehen?" – Klar, logisch, wer wartet schon gerne, also sollte das auch möglichst schell vorüber gehen, aber hat man dann nicht auch jede Menge Zeit verloren? Die westliche Welt ist ja geprägt, um nicht zu sagen, gesteuert, diktiert von der Zeit. Immer nur Termine, Arbeitszeiten, ein Beginn und ein Ende, teilweise schon während das Nächste beginnt oder endet. Manchmal hat man selbst dafür keine Zeit, das festzustellen.
Geht man nun auf die Suche, was Zeit denn eigentlich sei, so hält die Physik die Antwort bereit, dass die Zeit die Spanne sei, in der sich ein Zustand zum Nächsten hin entwickelt. Meist zur Form der zunehmenden Unordnung. Wenn Sie Elter sind, dann sehen Sie das oft am Zustand des Kinderzimmers und wenn man dem nicht Einhalt gebietet, dann dehnt sich das auch auf die ganze Wohnung aus...
Mit der Zeit ist es eine merkwürdige Sache. Was ist Zeit? Augustinus antwortete auf diese Frage: "Wenn mich niemand fragt, dann weiß ich es; sobald ich aber gefragt werde, kann ich es nicht erklären".... Physik und Technik shreddern die Zeit in Milli-, Mikro- Nano-, Pico-, Femto-, Atto-Sekunden und weiter. So weit, bis es aus quantenmechanischen Gründen sinnlos erscheint, über kürzere Zeiträume zu reden. (aus Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) Das macht das Ganze weder verständlicher noch wirklich klarer. Ab dem Bereich von Millisekunden kann ich mir die Zeit sowieso schon nicht mehr vorstellen... Im Grunde gibt es die Zeit nur dann, wenn man sie misst. Misst man nicht, dann ist auch jede Menge Zeit da:
Die Zeit kann man an Kindern gut messen. Teilweise wachsen sie über Nacht, so dass die Hosen morgens zu kurz sind, die gestern noch gepasst haben. Auch merkt man sie gut daran, dass man „Lilli-Fee T-Shirts" vom Einkauf mitbringt und diese entrüstet abgelehnt werden mit: „Papa, dass ist doch Babykram!" Bis vor kurzem war dass noch das aller Größte... Mode ist meiner Meinung nach schneller als die Zeit, oder?
Die Zeit ist zu einem Luxusgut geworden oder war es das schon immer? – Man soll seine Zeit genießen. Ja, schon, aber wie? Im Alkoholrausch? Im Bett bei Dunkelheit, schlafend? Auf dem Sofa vor der Glotze? ...
Also frage ich meine sechsjährige Katja: „Was ist Zeit" – Und bekomme zur Antwort: „Was in Ruhe machen!" – Hätte ich lieber gleich gefragt, dann hätte ich nicht so viel Zeit vertan mit Schreiben und Sie nicht soviel Zeit mit lesen!
StG 02.1.2011





