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HumanTouchMagazin 2011|03

Geschrieben von: Wilfried Pfeffer

Buddhismus als Psychologie

Als im 19. Jahrhundert der Buddhismus in Europa bekannt wurde, entstand das Klischee einer weltverneinenden, nihilistischen Lebensphilosophie. Anders als das Christentum ist der Buddhismus keine Offenbarungslehre, sondern in erster Linie eine Erfahrung. Und der Begriff „Buddha" bezeichnet keine ferne Gottheit, sondern das geistige Potential eines jeden

Menschen, seine innewohnende, noch schlafende Erleuchtung zu wecken (erwachen), und selbst Buddha zu werden, ausgestattet mit dem Wissen, dass nur der Körper endlich ist und stirbt. Der Geist, das Tiefenbewusstsein stirbt jedoch nie.

Der buddhistisch praktizierende entwickelt großen Respekt und Würde zu seiner eigenen – noch schlafenden – Buddha-Natur, er erlebt sich selbst und alle Mitmenschen als etwas Kostbares. Er bringt sich durch Üben immer mehr in die eigene Erfahrung von „Selbstachtung", aber ohne Selbstgefälligkeit

und Hochmut. Auf diesem Prozess übt er sich in Großzügigkeit gegenüber allen anderen. Er benötigt hierzu viel Geduld, Ausdauer, innere Ethik und endlose Anstrengungen, denn er wird immer wieder an seinen eigenen Unzulänglichkeiten scheitern.

Mit diesen Hindernissen, Lebenskrisen oder Phasen des „harten Schicksals" freundet sich der Buddhist mehr und mehr an, indem er sich dies als eine persönliche, karmische Altlast verständlich macht. Nach dem Motto: „Gib nie auf!" übt der Buddhist mit zukunftsschauender
Lebensmotivation.

Er klagt weder sich selbst an, noch die anderen. Er weiß über die langsame Evolutionsdynamik seiner selbst innerhalb vieler Wiedergeburten. Der Depression und dem Ärger gibt er keine lange Chance, sondern lernt, diese Gefühle achtsam wahrzunehmen, aber genauso über diese zu lächeln. Er widmet seiner Zuversicht und Freude über die Veränderbarkeit solcher Befindlichkeiten immer mehr Beachtung. Diese Lernprozesse mit seinen eigenen belastenden Emotionen benötigen viele Jahrzehnte, wenn nicht

Jahrhunderte. Deshalb sollte der Buddhist nicht in Stress oder Selbstzweifel geraten, wenn er immer wieder mal mit sich scheitert. Er weiß über die Wiedergeburt und ist sich deshalb bewusst, dass alle Fähigkeiten und Lernziele, die er in diesem Leben ernsthaft geübt hat, ihm im nächsten Leben hilfreich im Umgang mit Problemen sein werden – denn das Speicherbewusstsein vergisst und verliert nichts! Er gewinnt Souveränität im Umgang mit seinen eigenen Unzulänglichkeiten.